Forschung

In den letzten Jahren hat sich die sozialarbeitswissenschaftliche Fundierung der Profession verstärkt. Befördert wurde diese Entwicklung nicht zuletzt durch forschungsorientierte Masterstudiengänge und die Möglichkeiten der Absolvent*innen dieser Studiengänge zu originären Themen der Sozialen Arbeit zu promovieren. Die Aktivitäten zur Förderung von Wissenschaft und Forschung in Verbindung zur Praxis sind in der Verbandsarbeit ebenfalls stärker in den Fokus gerückt. Die DVSG hat als Satzungszweck die Förderung von Forschung und Wissenschaft formuliert. Entsprechend beteiligt sich die DVSG bei Forschungsprojekten, Standardentwicklungen und bei Leitlinienerarbeitung und –aktualisierung. Sie arbeitet mit Akteur*innen zusammen und unterstützt den Zugang zu Expert*innen in unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit in Praxis und Wissenschaft. 

Profilschärfung und Standardisierung

Der Bereich erhält zusätzlich auch Bedeutung durch eine zentrale Erkenntnis aus einem Gutachten von Prof. Dr. Gerhard Igl zur rechtlichen Verankerung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen. In dem Gutachten ist die Notwendigkeit beschrieben, Soziale Arbeit als Profession mit ihren Alleinstellungsmerkmalen stärker darzustellen und auch in den Sozialgesetzbüchern zu verankern. Damit sind auch Entscheidungsgrundlagen für Leistungsträger sowie -erbringer zu forcieren, die wiederum für untergesetzliche Regelungen die Grundlagen darstellen. Die verstärkte Profilschärfung macht auch eine plausible Argumentation, theoretische Fundierung und empirische Forschung notwendig.

Leitlinienentwicklung

Die DVSG beteiligt sich auch an der Erstellung und Aktualisierung von evidenz- und konsensbasierten Leitlinien. Nach dem System der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) werden Leitlinien in verschiedenen Entwicklungsstufen von S1 bis S3 entwickelt und klassifiziert, wobei S3 die höchste Qualitätsstufe der Entwicklungsmethodik ist. In den Jahren 2020/2021 wurde die DVSG angefragt für die Mitwirkung bei der Entwicklung oder Aktualisierung zu verschiedenen Themen, beispielsweise Umgang mit Suizidalität, Parkinson, Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung, Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung, Schizophrenie oder Delir im höheren Alter. Unter anderem bei folgenden Leitlinien hat die DVSG in den vergangenen Jahren mitgewirkt:

S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatient*innen - AWMF-Registernummer: 032/051OL - Wird seit 2019 aktualisiert
S3-Leitlinie Schlaganfall - AWMF- Registernummer 053-011
Kindesmisshandlung, -missbrauch,-vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik (Kinderschutzleitlinie) (2019) - AWMF-Registernummer 027 − 069
Erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung (2020) - AWMF-Registernummer: 128/001OL
S3-Leitlinie Schizophrenie (2019) AWMF-Register Nr. 038-009
S3 Leitlinie “Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen” (2020) AWMF-Registernummer 076-001
S3-Leitlinie Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung (2020) - AWMF-Registernummer 076-006

Forschungsprojekte

Die Forschung dient der Generierung neuen Wissens. Die DVSG beteiligt sich auf unterschiedliche Weise an Vorhaben. Sie kann durch das bundesweite Netzwerk an Expert*innen in unterschiedlichen Handlungsfeldern einen Bezug zur Praxis herstellen, Fragestellungen aus der Praxis einbringen und wiederum neue Erkenntnisse in die Berufspraxis zurücktransformieren. Durch Veranstaltungen und das Netzwerk von Wissenschaft, Praxis und Forschung schafft die DVSG eine Plattform für fachlichen Diskurs. Durch die Herausgabe zweier Fachzeitschriften ist die Möglichkeit gegeben, wissenschaftliche Erkenntnisse zu publizieren und in die (Fach-)Öffentlichkeit zu tragen. Auch über Bildungsangebote können Informationen vermittelt und zur Kompetenzerweiterung beitragen.

  • Abgeschlossene Forschungsprojekte: Der Zugang zur medizinischen Rehabilitation ist beispielsweise der Schwerpunkt einer Studie mit DVSG-Beteiligung gewesen. In den Jahren 2017 bis 2019 wurde eine Expert*innenbefragung umgesetzt. Folgende Fragen standen im Mittelpunkt des Vorhabens AZORE: Warum bildet sich die steigende Anzahl an Krebserkrankungen nicht in der Entwicklung der Anträge für medizinische Rehabilitationsmaßnahmen ab? Welche Barrieren gibt es in der Inanspruchnahme von medizinischen Rehabilitationsleistungen? Welche Handlungsbedarfe bestehen? Mehr dazu
     
  • Entwicklung eines Expertenstandards: Der Expertenstandard "Psychosoziale Erstberatung onkologischer Patient*innen durch Soziale Arbeit in der stationären Versorgung (PEOPSA)" wurde im Jahr 2018 veröffentlicht. Er stützt sich auf die Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherche und Auswertung der internationalen und deutschsprachigen Literatur zur Sozialen Arbeit in der Onkologie. Der Expertenstandard wurde im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft von der DVSG und der Arbeitsgemeinschaft für Soziale Arbeit für Onkologie (ASO) herausgegeben. Mehr dazu

Machen Sie mit!

Praxisforschung auf dem Gebiet der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit zu betreiben: Das ist eine wichtige Aufgabe, die deutlich mehr in den Fokus gerückt werden sollte.

Ansprechpersonen in der DVSG

Prof. Dr. Stephan Dettmers

Gesamtvorstand DVSG
1. Vorsitzender, Dipl.-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge, M.A.
Fachhochschule Kiel
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Sokratesplatz 2
24149 Kiel
Tel. 0431 2103066
Prof. Dr. Stephan Dettmers
Für die Promotionsgruppe
Prof. Dr. Anna Lena Rademaker

Fachbereich Gesundheitsförderung und Prävention
Redaktionsleitung Zeitschrift für Klinische Sozialarbeit
Fachhochschule Bielefeld
Prof. Dr. Anna Lena Rademaker

Gemeinsam mit der DGSA wird Forschung unterstützt

Die DVSG und die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) wollen als Fachverbände der Praxis und Wissenschaft der Sozialen Arbeit den Trend zu verstärkter Forschung in Arbeitsfeldern der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit fördern. Der Vorstand der DGSA hat im Januar 2020 zur Frage der Rahmenbedingungen, Zugänge und Ressourcen von Forschung in der Sozialen Arbeit ein Positionspapier veröffentlicht.

Sektion Forschung der DGSA

Fachgruppe Promotionsförderung der DGSA