Psychiatrie

In Deutschland ist jedes Jahr mehr als ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. In den letzten Jahren führte dies zu einer Steigerung der Arbeitsunfähigkeitszeiten von 50-80% und damit zu einer Verdreifachung innerhalb der letzten 20 Jahre. Viele Menschen brauchen neben der Beratung im akuten Krankheitsfall eine längerfristige Behandlung, Rehabilitation, Begleitung und Unterstützung aufgrund einer schweren, chronisch verlaufenden psychischen Erkrankung oder Behinderung.

Die Verortung der Sozialen Arbeit

Soziale Arbeit ist eine bedeutsame Berufsgruppe in der Behandlung und Versorgung. Im Bereich der ambulanten Eingliederungshilfe stellt sie die größte Berufsgruppe dar. Hilfen und Unterstützungsangebote für psychisch kranke Menschen und ihre Familien sind gleichermaßen im Gesundheitswesen als auch im Sozialwesen angesiedelt. In den verschiedenen Organisationen und psychiatrischen Arbeitsfeldern ist die Soziale Arbeit als eine die psychosoziale Leistungen gestaltende Profession verortet. Sie nimmt in der Fallarbeit Aufgaben in der Koordination, Beratung, Begleitung, Erschließung von Hilfen oder in der Therapie wahr. Zudem beteiligt sie sich an der verbesserten Gestaltung des öffentlichen Gesundheitswesens.

Paradigmenwechsel für die Behandlung und Begleitung

Die Psychiatriepolitik der vergangenen Jahrzehnte war geprägt von den Reformideen der Psychiatrieenquete im Jahre 1975. Die psychiatrische Versorgung hat seither einen Reformprozess hin zur gemeindenahen Psychiatrie mit Ausrichtung an sozialpsychiatrischen Grundideen durchlaufen. Der von der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der psychiatrischen Versorgung geforderte Paradigmenwechsel hat zwar schon viel bewirkt, ist bei weitem jedoch noch nicht abgeschlossen.

Geforderte Entwicklungen der Reform sind

  • von der Institutionszentrierung zur Personenzentrierung,
  • von der Angebots- zur Bedarfsorientierung, 
  • von einer auf Berufsgruppeninteressen bezogenen Sichtweise hin zum mehrdimensionalen Krankheitskonzept und multiprofessioneller Behandlung. 

Aktuelle Entwicklungen - Debatte zur Personalausstattung

Der Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist vom Gesetzgeber beauftragt worden, verbindliche Mindestvorgaben für das für die Behandlung erforderliche therapeutische Personal in stationären psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen festzulegen. Denn die bis zum Jahr 2019 geltende Psychiatrie-Personalverordnung stammt aus dem Jahr 1990. Entsprechend ist eine Prüfung und Aktualisierung auf der Grundlage des gesellschaftlichen Wandels evident.

Diese Neufassung der Richtlinie hat Fachgesellschaften veranlasst, eigene konzeptionelle Überlegungen zur zukünftigen Gestaltung der Personalbemessung zu entwickeln. Auf diesem Weg ist mit dem Plattformmodell ein Alternativmodell zur Personalbemessung koordiniert durch die DGPPN entstanden. Auch einzelne Mitglieder der DVSG sind bei der Durchführung von Workshops und in der zentralen Arbeitsgruppe beteiligt gewesen.

Mitgestalten - Verbesserung bei Versorgung psychisch Erkrankter

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) führt in der Legislaturperiode 2018-2021 einen Dialog zur Weiterentwicklung der Hilfen für psychisch erkrankte Menschen durch. Ziel des Dialoges ist eine Standortbestimmung, die Verständigung über Entwicklungsbedarfe und die Formulierung von Handlungsempfehlungen für eine personenzentrierte Versorgung. Die Aktion Psychisch Kranke e.V. (APK) hat im Auftrag des BMG eine Geschäftsstelle eingerichtet und organisiert den Dialog.
Weitere Informationen zum Dialog zur Weiterentwicklung der Hilfen
Vertreter*innen von Verbänden waren und sind eingeladen, sich zu beteiligen. Die DVSG hat dazu Positionen verfasst und veröffentlicht:

Stellungnahmen von Kooperationspartner*innen:

Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (Mai 2020)

Mitwirkung der DVSG bei unterschiedlichen thematischen Kampagnen

Diskursverfahren „Konfliktfall Demenzvorhersage“ 2017-2019

Am 22.-23. Juni 2018 fand in Göttingen eine Stakeholder-Konferenz mit 24 Expert*innen aus Deutschland statt. Es wurde über die Chancen und Risiken der neuen Biomarker-Technologie für die Vorhersage eines Risikos, an Demenz zu erkranken, diskutiert. Die vorliegende gemeinsam verfasste Stellungnahme zum Umgang mit dieser neuen Technologie ist das Resultat der 1 ½-tägigen Stakeholder-Konferenz. Die Stakeholder-Konferenz wurde im Rahmen des Diskursprojektes „Entscheidungskonflikt prädiktive Demenz-Diagnostik: Diskursverfahren zu Beratungs- und Ethikkompetenzen mit Stakeholdern und Studierenden“ veranstaltet, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.
Gemeinsame Stellungnahme der Stakeholder-Konferenz im Rahmen des Diskursverfahrens „Konfliktfall Demenz-Vorhersage“

Was noch?

DVSG Fachkonzept Psychiatrie: Im Jahr 2011 haben sich mehrere Vertreter*innen aus dem psychiatrischem Bereich zusammengetan und ein Fachkonzept für die Soziale Arbeit entwickelt. Eine Darstellung der Inhalte erfolgt insbesondere auf der Grundlage von Praxis- und Erfahrungswissen aus verschiedenen Institutionen des stationären Settings.
Fachkonzeption Psychiatrie

Ansprechpersonen in der DVSG zu Themen rund um Psychiatrie

Dr. Franz-Peter Begher

Gesamtvorstand
Dipl. Sozialpädagoge
LVR-Klinik Langenfeld
Leiter Therapeutische Dienste
Kölner Str. 82
40764 Langenfeld
Tel. 02173 102 2300
Dr. Franz-Peter Begher
Bettina Lauterbach

Gesamtvorstand
Dipl.-Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Leiterin des Sozialdienstes der Psychiatrischen Klinik
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel. 040 741052209
 Bettina Lauterbach