Soziale Ungleichheit und Teilhabe

Mit sozialer Ungleichheit werden gravierende Unterschiede in der Verteilung und Zugänglichkeit von Ressourcen in der Gesellschaft bezeichnet. Ausprägungen sozialer Ungleichheit können z. B. die unterschiedliche Verteilung von Bildung oder Einkommen in der Gesellschaft sein. Für jeden Menschen besteht ein Recht auf eine umfassende Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen. Dieses Recht ist unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, sexueller Orientierung, Herkunft, Bildung, Einkommen oder ihren individuellen geistigen und körperlichen Möglichkeiten. Allerdings sind die Chancen auf die Teilhabeverwirklichung nicht für alle Menschen gleich. Handlungsspielräume können beispielsweise durch gesundheitliche Beeinträchtigungen oder geringe Bewältigungsstrategien eingeschränkt sein. Gesundheitliche Beeinträchtigungen können aus einer ungünstigen sozialen Lage resultieren. Schwierige Lebensbedingungen (z. B. Wohnsituation, Arbeitslosigkeit, geringe Handlungsspielräume) oder eingeschränkte Bewältigungsmöglichkeiten (Einkommen, Bildung, individuelle Fähigkeiten, persönliche Netzwerke) spielen eine Rolle. Durch diese sozial bedingten, ungleichen Gesundheitschancen wird die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oft deutlich eingeschränkt.

Der Bezug zur gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit

Für die gesundheitsbezogene Soziale Arbeit sind diese Zusammenhänge zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit bzw. Krankheit von besonderem Interesse. Unter anderem durch die Gesundheitsberichterstattung des Bundes ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich soziale Benachteiligung auf Gesundheitschancen und Lebenserwartung auswirkt. Soziale Faktoren nehmen Einfluss auf die Entstehung von Erkrankungen und gesundheitlichen Störungen. Umgekehrt können psychosoziale Probleme entstehen oder zunehmen, wenn Menschen erkranken und/oder mit einer Beeinträchtigung leben. Dies geht auch mit einem erhöhten Armutsrisiko einher. Deutlich ist, dass der sozioökonomische Status und gesundheitliche Belastungen einander bedingen. Damit gehen individuell reduzierte Möglichkeiten der umfassenden gesellschaftlichen Teilhabe einher.

Gesundheit bedeutet also eine bessere Aussicht auf eine chancengleiche und selbstbestimmte Teilhabe. Umgekehrt bergen gesundheitliche Beeinträchtigungen unterschiedliche Exklusionsrisiken (Zweiter Teilhabebericht der Bundesregierung). Die Förderung sozialer und gesundheitlicher Chancengleichheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um gleiche Gesundheitschancen für alle Bürger*innen zu fördern, müssen die sozialen Faktoren stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ziel gesundheitsbezogener Sozialer Arbeit

Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit richtet sich auf individueller Ebene an Menschen, die in ihrer autonomen Lebensgestaltung gefährdet sind. Dies kann beispielsweise wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung entstehen. Auch reduzierte Chancen oder Handlungsspielräume für die selbstbestimmte Teilhabe sind in den Blick zu nehmen.

Der fachliche Zugang der Sozialen Arbeit zu gesundheitlich beeinträchtigten Menschen ist mit folgenden Fragestellungen verbunden:

  • Welche sozialen Determinanten haben Einfluss auf die Entstehung von gesundheitlichen Störungen und Krankheiten?
  • Welche psychosozialen Folgen sind für die Person und ihre sozialen Netzwerke zu erwarten?
  • Wie können die Handlungsspielräume und die Teilhabechancen der Beteiligten verbessert werden?

Zentrales Ziel gesundheitsbezogener Sozialer Arbeit ist die Förderung der umfassenden Teilhabe von erkrankten, behinderten und pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen sowie die Reduzierung und Bewältigung sozialer Probleme, die aus gesundheitlichen Beeinträchtigungen entstehen bzw. zu gesundheitlichen Störungen führen können. Es gilt, die Menschen dahin gehend zu unterstützen, dass sie ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen und eine subjektiv bewertet maximale Lebensqualität erreichen können. Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit ermöglicht Zugänge zu Gesundheits- und Sozialleistungen. Sie unterstützt bei der Problembewältigung und hilft bei der Erschließung von persönlichen und sozialen Ressourcen.

Auf sozialpolitischer Ebene ist - ergänzend zu der individuellen Fallarbeit – die Gestaltung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für gesellschaftliche Lebensverhältnisse die Zielsetzung der Sozialen Arbeit. Dies gilt in verschiedenen Handlungsfeldern des Gesundheits- und Sozialwesens. Die Soziale Arbeit richtet den Fokus also auf eine Stärkung der Beteiligungsmöglichkeiten und die individuelle Befähigung der Personen, sowie gleichzeitig auf die Qualitätsverbesserung der Bedingungen für eine gelingende Teilhabe. Gleichzeitig auf die Qualitätsverbesserung der Bedingungen für eine gelingende Teilhabe. Dies wird in den Bereichen der Prävention und Gesundheitsförderung und der Rehabilitation und Teilhabe behinderter und chronisch kranker Menschen besonders deutlich.

Weiterführende Informationen

Themenschwerpunkt Gesundheitsberichterstattung - Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit

Robert Koch-Institut (2019): Journal of Health Monitoring

Robert Koch-Institut (Hrsg) (2016): Gesundheit in Deutschland – die wichtigsten Entwicklungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. RKI, Berlin.

Robert Koch-Institut (Hrsg) (2005): Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit

WHO - Gesunde Lebenserwartung als Indikator für die Gesundheit einer Bevölkerung

Projekte zum Themenschwerpunkt Soziale Ungleichheit und Teilhabe

Vorhaben des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) zum Thema Teilhabe und Soziale Inklusion in Deutschland (Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft)