Studie zeigt: Kooperation von Rettungsdiensten und Altenhilfe reduziert Klinikeinweisungen

In einem aktuellen Beitrag in G + G (Gesundheit und Gesellschaft.Das AOK-Forum für Politik, Praxis und Wissenschaft) wird berichtet, dass in Wiesbaden eine sektorenübergreifende Kooperation von Beratungsstellen des Amtes für Soziale Arbeit mit Rettungsdiensten dazu geführt hat, dass in mehr als der Hälfte der Fälle die Notrufenden nicht stationär aufgenommen werden müssen. Sie erhalten je nach Bedarf eine soziale beziehungsweise pflegerische Versorgung.

Für die Studie „Kooperation zwischen Rettungsdienst und kommunaler Altenhilfe: ein Weg zur Entlastung der Notfallversorgung?“ wertete das Institut für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg rund 650 Notfall-Situationen aus. Es zeigte sich, dass die Fälle mit sozialen Hilfebedarfen kontinuierlich anstiegen. Während im ersten Jahr nach Einführung des Verfahrens monatlich etwa sechs Notfälle mit sozialen Bedarfen gemeldet wurden, waren es Mitte 2022 schon mehr als neun Fälle pro Monat. Anfang 2024 zeigte eine Auswertung von mehr als 843 Fällen einen Anstieg auf 3,7 gemeldete Personen wöchentlich mit insgesamt knapp 2.600 nichtmedizinischen Bedarfen. Die von den Rettungskräften mit 58,3 Prozent aller Fälle am häufigsten gemeldeten Bedarfe bezogen sich auf eine häusliche Unterversorgung. In 56,5 Prozent der gemeldeten Fälle mit sozialem Hilfebedarf ging es um Verwahrlosung, und in 41,4 Prozent der Fälle sahen die Rettungskräfte Hinweise auf überforderte Angehörige beziehungsweise eine Unterversorgung einer pflegebedürftigen Person. Neue Auswertungen zeigen jedoch ein starkes Anwachsen pflegebezogener Bedarfe. Inzwischen entfallen über die Hälfte der Meldungen (55 Prozent) auf pflegerische Unterversorgung und überforderte beziehungsweise verhinderte pflegende Angehörige. In knapp einem Drittel der Fälle bestand eine Unterversorgung aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung (31,6 Prozent). In 98 Prozent der gemeldeten Fälle wurde die Einschätzung der Rettungskräfte bestätigt und die Beratungsstellen wurden aktiv. Betroffen waren vorwiegend ältere Menschen, überwiegend Frauen.

Das Projekt wird nach Ablauf der Projektförderphase fortgeführt. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Beratungsstellen des Amtes für Soziale Arbeit der Stadt Wiesbaden, die Ansprechpartner der Rettungskräfte sind und bei denen diese die sozialen oder pflegerischen Versorgungsbedarfe melden können. Die Beratungsstellen nehmen den Notfall entgegen und koordinieren die Versorgung je nach Bedarf. 

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