Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen: Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe warnt vor Normalisierung der Krise

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat heute Zahlen zu den aufgrund von Wohnungslosigkeit untergebrachten Personen in Deutschland veröffentlichtet. Danach waren zum Stichtag 31. Januar 2025 in Deutschland nach den Meldungen von Kommunen und Einrichtungen rund 474.700 Personen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Damit sei die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 8 % gestiegen (2024: 439 500). Der Anstieg sei vermutlich auf Verbesserungen der Datenmeldungen im vierten Jahr seit der Einführung der Statistik zurückzuführen.

Die Statistik erfasst wohnungslose Personen, die in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 2025 beispielsweise in überlassenem Wohnraum, Sammelunterkünften oder Einrichtungen für Wohnungslose untergebracht waren. Obdachlose Personen, die ohne jede Unterkunft auf der Straße leben sowie Formen von verdeckter Wohnungslosigkeit (zum Beispiel bei Bekannten oder Angehörigen untergekommene Personen) werden nicht in der Statistik berücksichtigt, sind aber Teil der begleitenden Wohnungslosenberichterstattung, die alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen durchgeführt wird.

Schutzsuchende aus der Ukraine stellen mit 29% die größte Gruppe innerhalb der Statistik dar und 41 % der untergebrachten wohnungslosen Personen sind jünger als 25 Jahre und mehrheitlich Männer. Nach Haushaltskonstellation bilden Paare mit Kindern mit gut 34 % die größte Gruppe unter den untergebrachten wohnungslosen Personen.

Weitere Informationen zur Statistik 

Vor dem Hintergrund dieser neuen Zahlen warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) in ihrer heutigen Pressemitteilung vor Normalisierung der Krise und fordert von der Bundesregierung eine deutliche Nachbesserung bei Sozial- und Wohnungspolitik. Zum Anstieg der Wohnungslosenzahlen betont Joachim Krauß, stellvertretender Geschäftsführer der BAG W: „Diese Zahlen sind ein politischer Weckruf. Sie zeigen unmissverständlich: Die Wohnungslosigkeit ist kein vorübergehendes Phänomen. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse und politischer Untätigkeit. Wenn jedes Jahr Hunderttausende Menschen ohne Wohnung untergebracht werden müssen, dann ist das kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden, strukturellen Krise, der endlich entschlossen begegnet werden muss.“

Die BAG W begrüßt die ersten Impulse und das erhöhte Tempo, das das Bundesbauministerium unter Verena Hubertz in den letzten Monaten gesetzt hat. Gleichzeitig appelliert sie an die Bauministerin, den Nationalen Aktionsplan (NAP W) nicht aus den Augen zu verlieren und die Menschen, die in Wohnungs- und Obdachlosigkeit geraten sind, konsequent zu unterstützen. Susanne Hahmann, Vorsitzende der BAG W: „Wir sehen es als klares Bekenntnis, dass der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist. Wenn Wohnungslosigkeit bis 2030 überwunden werden soll, muss der Plan jetzt mit Nachdruck und konkreten Schritten umgesetzt werden – die betroffenen Menschen warten seit Jahren auf Veränderungen.“

Die BAG Wohnungslosenhilfe fordert deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum, insbesondere durch den Ausbau des Sozialwohnungsbestands mit langfristiger Bindung und festen Quoten für wohnungslose Menschen. Um effektiv Wohnungsverlust vorzubeugen, braucht es einen stärkeren Mieterschutz und flächendeckend Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlust. Bei eingetretener Wohnungslosigkeit muss es einen rechtlich gesicherten Zugang zu Hilfen – auch für Personen in ordnungsrechtlichen Unterkünften geben. Notunterkünfte dürfen nicht nur der Unterbringung dienen, sondern müssen verbindliche Mindeststandards bei Ausstattung, Schutz und sozialer Unterstützung erfüllen. 

Informationen der BAG W