Pilotprojekt: Kooperation zwischen Rettungsdiensten und Altenhilfe

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) hat heute über ein Pilotprojekt in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden informiert, bei dem es um eine Kooperation zwischen Rettungsdiensten und den Beratungsstellen für selbständiges Leben im Alter des Sozialdezernats der Stadt Wiesbaden geht. Weil immer mehr Menschen mit Unterstützungsbedarf allein leben, nehmen Fälle von häuslicher Unterversorgung, Isolation und auch Verwahrlosung zu. Auffällig wird das oft nur, weil ein Rettungsdienst gerufen oder ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt „Schnittstellenmanagement bei Krankenhausaufnahme und -Entlassung“ gestartet, bei dem die Rettungskräfte nicht nur den gesundheitlichen Status des Notrufendenüberprüften, sondern anhand eines Meldebogens mit vorgegebenen Kategorien auch das Vorliegen möglicher sozialer Bedarfe. Je nach medizinischen Erfordernissen erfolgt die Versorgung vor Ort bzw. ein Transport in ein Krankenhaus. Die Entscheidung der zusätzlichen Einbindung des Amts für soziale Arbeit trifft das Rettungsteam vor Ort. Die Schulung der Rettungskräfte ist Inhalt der Einweisungskonzepte aller Leistungserbringer und zudem Bestandteil der Jahrespflichtfortbildung. Die Mitarbeitenden der Beratungsstellen geben dann innerhalb von fünf Werktagen nach Meldung eine Rückmeldung über die Versorgung der Person an den Rettungsdienst.

Das Projekt wurde vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg wissenschaftlich begleitet. Ende Februar wurden nun die Ergebnisse veröffentlicht. Für die Studie „Kooperation zwischen Rettungsdienst und kommunaler Altenhilfe: ein Weg zur Entlastung der Notfallversorgung?“, wurden in vier Jahren Projektlaufzeit rund 650 Notfall-Situationen ausgewertet. In etwa der Hälfte der Fälle war eine Krankenhauseinweisung nicht notwendig. Es zeigte sich, dass die Fälle mit sozialen Hilfebedarfen kontinuierlich anstiegen. Während im ersten Jahr nach Einführung des Verfahrens monatlich etwa sechs Notfälle mit sozialen Bedarfen gemeldet wurden, waren es Mitte 2022 9,5 Fälle pro Monat. Die von den Rettungskräften mit 58,3 % aller Fälle am häufigsten gemeldeten Bedarfe bezogen sich auf eine häusliche Unterversorgung. In 56,5 % der gemeldeten Fälle mit sozialem Hilfebedarf ging es um Verwahrlosung, und in 41,4 % der Fälle sahen die Rettungskräfte Hinweise auf überforderte Angehörige bzw. eine Unterversorgung einer pflegebedürftigen Person. In knapp einem Drittel der Fälle bestand eine Unterversorgung aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung (31,6 %). In 98 % der gemeldeten Fälle wurde die Einschätzung der Rettungskräfte bestätigt und die Beratungsstellen wurden aktiv. Betroffen waren vorwiegend ältere Menschen, überwiegend Frauen. Aber auch z. B. bei einer 14-jährigen Notrufenden bestand sozialer Handlungsbedarf. Die älteste Patientin mit Hilfebedarf war 98 Jahre alt.

Zum Abschlussbericht des Projekts „Schnittstellen-Management bei Krankenhaus-Aufnahme und -Entlassung"
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung sind bei Springer Link als Open Access Veröffentlichung zugänglich.

Zu dem Projekt ist auch im FORUM sozialarbeit + gesundheit 1/2023 ein Fachbeitrag erschienen. DVSG-Mitglieder finden den Beitrag von Iris Groß und Dr. Petra Schönemann-Gieck im Mitgliederbereich