Neue Analyse: Sicherung von Fachkräftebasis und Sozialkassen - Was besser hilft als Arbeitszeitverlängerung
Pauschale Verlängerungen von wöchentlichen oder von Lebensarbeitszeiten können Engpässe bei Fachkräften verschärfen und sind deshalb nicht geeignet, Arbeitsmarktprobleme durch den demografischen Wandel zu reduzieren und die Sozialkassen zu stabilisieren. Denn angesichts stark verdichteter Arbeitsabläufe und erheblicher psychischer und/oder körperlicher Belastungen an sehr vielen Arbeitsplätzen drohen bei weiter verlängerten Arbeitszeiten geringere Produktivität, vermehrte Leistungsreduzierung oder sogar Arbeitsausfall, etwa durch Unfälle oder Stress-assoziierte Erkrankungen, die wiederum zu höheren Sozialausgaben führen.
Andere Beschäftigte könnten mit einem Wechsel in Teilzeit reagieren – ein Muster, das beispielsweise in der Pflege längst zu beobachten ist und den Fachkräftemangel dort vergrößert. Generell längere Vollzeit-Arbeitszeiten würden für Eltern, insbesondere Mütter, die Probleme verschärfen, Erwerbs- und Familienarbeit zu vereinbaren – mangels Alternativen könnte dieser Druck ebenfalls zur Reduzierung der vereinbarten Arbeitszeit oder sogar zum kompletten Rückzug aus der Berufstätigkeit führen. Junge Menschen in der Familiengründungsphase könnten noch höhere Vereinbarkeits-Hürden dazu bringen, auf Kinder zu verzichten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der aktuellen Forschung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Wissenschaftler*innen identifizieren eine bessere Strategie gegen Personalengpässe, die unter anderem darauf beruht, die hohe Quote kurzer Teilzeit in Deutschland zu reduzieren, Qualifizierung und Gesunderhaltung im Arbeitsleben auszubauen und Vereinbarkeit weiter zu verbessern.