Gesundheit statt Krankheit ins Zentrum stellen: Wissenschaftsrat fordert Kurswechsel des Gesundheitssystems mit einem Fokus auf Prävention
"Deutschlands Gesundheitssystem braucht einen Kulturwandel. Wir müssen Gesundheit und nicht Krankheit in den Mittelpunkt und damit Prävention über Reparatur stellen. Man weiß, was zu tun ist; man muss es nur endlich auch tun,“ sagt der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. „Eine starke Prävention und Gesundheitsförderung sind kein nice to have, sie sind systemrelevant – für die Sicherung unserer Gesundheits- und Sozialsysteme, aber auch für unsere Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt,“ betont Wick.
In seinem Positionspapier „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“ fordert der Wissenschaftsrat ein entschlossenes Handeln der Politik, die Vernetzung von Expertise verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, einen effektiven Wissenstransfer, starke öffentliche Gesundheitsstrukturen sowie eine präventiv und interprofessionell wie interdisziplinär ausgerichtete Versorgung. Trotz breiten Wissens über Prävention gelingt die dauerhafte Umsetzung kaum. Besonders problematisch ist, dass gerade gefährdete Gruppen von Präventionsmaßnahmen oft nicht erreicht werden – was soziale und gesundheitliche Unterschiede verschärft. Gesundheit muss daher als verbindliches Ziel in allen Politikbereichen – etwa Bildung, Arbeit, Wirtschaft, Ernährung oder Umwelt – verankert werden.