Die Lebenserwartungslücke: Sozioökonomische Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Deutschlands Regionen nehmen zu

Die jüngsten Forschungsergebnisse des Robert Koch Instituts (RKI) bestätigen den Eindruck, den viele haben: Die sogenannte „Lebenserwartungslücke“ nimmt zu und weist darauf hin, dass sich die gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland verstärkt. Lag die Lebenserwartungslücke Anfang der 2000-Jahre bei Frau bei 2,6 Jahren und bei Männern bei 5,7 Jahren, beträgt sie mittlerweile bei Frauen 4,3 und bei Männern 7,2 Jahre! Damit ist einmal mehr belegt, wie massiv sich die Unterschiede zwischen Deutschlands wohlhabendsten und sozioökonomisch am stärksten deprivierten Regionen auf die individuelle gesundheitliche Chancengleichheit auswirken. Bereits in vorherigen Studien wurde berichtet, dass die sozioökonomische Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung unter Männern größer ausfallen als unter Frauen wurde. Die Gründe für diesen Unterschied dürften vor allem in strukturellen und materiellen Ursachen liegen, wie z. B. Erwerbsbeteiligung und Arbeitsbedingungen, zumindest lassen sie sich laut RKI nur partiell auf verhaltensbezogene Faktoren zurückzuführen.

Nach den Feststellungen der Autor*innen der Studie geben die Ergebnisse Hinweise darauf, dass das im Grundgesetz verankerte Ziel der „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet“ (Art. 72 Abs. 2 GG) zumindest mit Blick auf Gesundheit und Langlebigkeit immer weniger erreicht wird. Sie mahnen zudem an, dass sich Gesundheitsförderung nicht weiterhin auf verhaltensbezogene Aktivitäten konzentrieren sollten, sondern stärker verhältnisbezogene Maßnahmen in den Mittelpunkt zu stellen sind. In jedem Fall gehöre die Entwicklung einer Strategie zur Verbesserung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit mehr denn je auf die politische Agenda. 

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