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Call for Papers: Sozial-, Jugend- und Gesundheitsfürsorge in der SBZ/DDR

Die nächste Tagung der AG Historische Sozialpädagogik und Sozialarbeit findet am 20. bis 22. Mai 2027 an der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) zum Thema "Sozial-, Jugend- und Gesundheitsfürsorge in der SBZ/DDR - Organisationsformen, Handlungskonzepte, Veränderungsprozesse" statt. Vorschläge für Tagungsbeiträge können bis zum 15. Dezember 2026 eingereicht werden. Nachwuchswissenschaftler*innen sind ausdrücklich aufgerufen, sich an der Tagung mit einem Beitrag zu beteiligen.

 

In den zurückliegenden Jahren gab es vielfältige gesellschaftliche Aufarbeitungsinitiativen, die sich mit dem Sozial-, Jugend- und Gesundheitssystem der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) und der DDR befassten. Im Mittelpunkt standen dabei Leid und Unrechtserfahrungen, die diese Fürsorgesysteme mit sich brachten oder bringen konnten. Auch innerhalb der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit ist noch kein adäquater Umgang mit der DDR-Geschichte gefunden worden. Eine systematische und kontinuierliche Auseinandersetzung innerhalb der Profession fehlt bis heute. Im Rahmen der Tagung wollen wir unseren Blick auf Handlungsfelder der DDR richten, die heute zur Soziale Arbeit gezählt werden und die in der DDR teilweise in andere Zuständigkeitsbereiche fielen: die Sozial-, Jugend- und Gesundheitsfürsorge wie auch die Volksbildung. Dabei geht es uns vor aller Bewertung zuvorderst um das Zusammentragen von Wissen und um tiefergehende Kenntnisse zur Organisation, zur Funktion und Umsetzung staatlicher Fürsorge in der SBZ/DDR von 1945 bis 1990 in den klassischen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit.

Eine “Soziale Arbeit“ gab es aus ideologischen Gründen in der DDR nicht, wohl aber staatliche Fürsorgesysteme, die allerdings anders organisiert, begründet und rechtlich ausgestaltet waren, als in der BRD. In der DDR ging man davon aus, dass es durch den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu Vollbeschäftigung kommt und soziale Notlagen weitgehend verhindert werden können. Sozial-, Gesundheits- und Jugendfürsorge blieben daher ergänzende, aber durchaus politisch-ideologisch und moralisch aufgeladene Maßnahmen innerhalb eines allgemeinen Versorgungssystems. Auf der Tagung soll es um das breite Spektrum der Sozial-, Jugend- und Gesundheitsfürsorge und ihrer institutionellen Kontexte gehen, die vom Volksbildungs-, Arbeits- oder Gesundheitsministerium jeweils verantwortet wurden. Im Mittelpunkt steht dabei die Organisation der Fürsorge, ihre Methoden und die wissenschaftliche Forschung auf dem jeweiligen Gebiet:

  • der Jugendhilfe (Kindergärten, Jugendämter/Referate Jugendhilfe, Heime, Horte, Jugendhilfekommissionen, Jugendorganisationen, Ferienlager/-freizeiten),
  • der Familienhilfe (Mutter-Kind-Heime, Mütterberatungsstellen, Mutter-Kind-Kurheime, Kinderkurheime),
  • der Altenhilfe (Betreuung in Einrichtungen, Gerontologie),
  • der Sucht- und Straffälligenhilfe (Beratung und Resozialisierung, „Asozialenparagraf“),
  • der Sozialpsychiatrie (Betreuung psychisch kranker Menschen, Rodewischer Thesen),
  • der (Arbeits-)-Migration, Asyl, Integration,
  • der Volksbildung (Kindergarten, Hort, Heim, Pionierleitung),
  • der Gesundheitsfürsorge (auch Krippe, Wochenkrippe, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung),
  • der Gemeinwesenarbeit (insbesondere im kirchlichen Bereich),
  • der Betriebsferienheime, Gewerkschaftsarbeit,
  • der sozialen Bewegungen in der DDR (Umweltbewegung, Frauenbewegung und ihr Einfluss auf die o.g. Handlungsfelder, insbesondere in den 1980er Jahren)

Call for Papers “Sozial-, Jugend- und Gesundheitsfürsorge in der SBZ/DDR”