Hedwig Landsberg
Hedwig Landsberg war eine Pionierin der Krankenhausfürsorge und eine der maßgeblichen Persönlichkeiten bei der Gründung der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst und langjährige Geschäftsführerin der Vereinigung.
Geboren: 20. September 1879 in Breslau
Gestorben: 26. April 1967 in Heidelberg

Hedwig Landsberg wurde 1879 in Breslau als Tochter wohlhabender Eltern geboren. Der Vater war Bankier und die Familie zog 1888 nach Berlin, da er dort eine Zweigstelle eines Breslauer Bankhauses aufbauen sollte. So wuchs Hedwig Landsberg in einem für den Arzt und Sozialhygieniker Hufeland erbauten Haus in der Tiergartenstrasse in Berlin auf. Nach dem Tod ihres Vaters erbte sie ein beträchtliches Vermögen, das ihr eine entsprechende Unabhängigkeit garantierte. 1914 folgte sie dem Aufruf Alice Salomons zur Lazarett- und Krankenhausfürsorge und begann zunächst mit der ehrenamtlichen Tätigkeit im Krankenhaus. Hier reifte bei ihr der Wunsch sich nicht mehr nur auf häusliche Tätigkeiten beschränken zu lassen, sondern etwas für die Allgemeinheit tun zu wollen. Sie schreibt in einer kurzen Autobiographie dazu: „Es begann mit einem halben Tag und erfüllte allmählich mein ganzes Leben.“ 1921 erfolgte die Ausbildung zur Wohlfahrtspflegerin als Nachschulungskurs für langjährig praktisch Tätige mit staatlicher Anerkennung.
Gemeinsam mit Anni Tüllmann gründete sie nach dem 1. Weltkrieg zunächst den Verein „Soziale Krankenhausfürsorge der Berliner Universitätskliniken außerhalb der Charité e. V.“ und später die Deutsche Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus. Hier übernahmen beide gemeinsam die Geschäftsführung. Anfang der 1920 Jahre baute sie sich in Charlottenburg ein Haus mit zwei Dreizimmerwohnungen. Sie bezog 1922 im 1. Stockwerk die Wohnung und im Parterre wohnte Anni Tüllmann. Das Privathaus von Hedwig Landsberg war gleichzeitig ab 1926 die erste Geschäftsstelle der Vereinigung.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten und dem am 7. April 1933 veröffentlichten „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ trat ein sofortiges Berufsverbot für Juden in Kraft. Bereits am 2. April wurde Hedwig Landsberg, die zwar protestantischen Glaubens, aber durch den Vater jüdischer Abstammung war, aufgefordert sowohl ihre Arbeit in der DVFK, dem „Verein Soziale Krankenhausfürsorge der Berliner Universitätskliniken e. V.“ als auch die praktische Tätigkeit in der Charité umgehend einzustellen. Danach zog sie 1934 nach München, wo sie sich bis zu deren Verbot für die Organisation nichtarischer und nicht nichtreinarischer Christen engagierte. Nachdem 1944 durch einen Bombenangriff ihre Wohnung zerstört wurde, siedelte Landsberg zu ihrer Schwester nach Heidelberg über. Dort bekam sie 1946 mit 66 Jahren eine Anstellung bei der Stadt Heidelberg als Krankenhausfürsorgerin. Diese Stelle übte sie bis 1951 aus. Von dort aus nahm sie zu einigen ihrer damaligen Kolleginnen Kontakt auf und rief am 29. Juli 1949 die Deutsche Vereinigung wieder ins Leben. Hedwig Landsberg übernahm die Geschäftsführung und knüpfte an die, durch die politischen Ereignisse von 1933 unterbrochenen, Aktivitäten an, indem sie sich beispielsweise erneut das Interesse und die Unterstützung führender Mediziner und anderer Fachleute erkämpfte.
Sie schied 1951 mit 72 Jahren aus ihrer Tätigkeit als Krankenhausfürsorgerin aus und widmete sich ausschließlich ihrer Aufgabe als Geschäftsführerin der Vereinigung. 1957 legte sie aus Altersgründen die Geschäftsführung der Vereinigung ab, nahm aber noch im Herbst 1966 an einer Jahrestagung teil und verstarb kurz darauf in Heidelberg.