Anni Tüllmann

Anni Tüllmann war eine Pionierin der Krankenhausfürsorge und eine der maßgeblichen Persönlichkeiten bei der Gründung der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst und langjährige Geschäftsführerin der Vereinigung.

Geboren: 1875 in Plön
Gestorben: 30. Juli 1958 in Garmisch-Partenkirchen

Anni Tüllmann wurde 1875 Plön/Schleswig-Holstein geboren. 1879 zog ihre Familie nach Berlin. Von 1881 bis 1890 besuchte sie die „Höhere Töchterschule“. Ihren Wunsch, Malerin zu werden, musste sie durch den frühen Tod des Vaters aufgeben. Etwa 1902 übernahm sie an einem Privatlyzeum den Posten einer Assistentin der Direktorin. Daneben bestätigte sie sich als Privatsekretärin bei einer sozial wissenschaftlich arbeitenden Frau, durch die sie Einblick in die Frauenbewegung erhielt. 1918 folgte sie dem Aufruf von Alice Salomon zur Lazarett- und Krankenhausfürsorge und übernahm ohne Ausbildung die Arbeit einer Fürsorgerin in der Psychiatrie einer Nervenklinik in den Berliner Universitätskliniken. Gemeinsam mit Hedwig Landsberg begann sie mit dem Aufbau der sozialen Krankenhausfürsorge an den Berliner Universitätskliniken insgesamt, zunächst mit Ausnahme der Charité. Hedwig Landsberg schreibt in ihrem Nachruf: „Ihre Geschicklichkeit im Umgang mit Menschen hat der Krankenhausfürsorge viele Freunde erworben.“

Gemeinsam mit Hedwig Landsberg gründete sie nach dem 1. Welt Krieg zunächst den Verein „Soziale Krankenhausfürsorge der Berliner Universitätskliniken außerhalb der Charité e. V.“ und später die Deutsche Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus. Hier übernahmen beide gemeinsam die Geschäftsführung. Anfang der 1920 Jahre baute Hedwig Landsberg in Charlottenburg ein Haus mit zwei Dreizimmerwohnungen. Ab 1922 bis 1934 wohnte Anni Tüllmann im Parterre dieses Hauses, während Hedwig Landsberg ihre Wohnung im 1. Stockwerk hatte. Das Privathaus von Hedwig Landsberg war gleichzeitig ab 1926 die erste Geschäftsstelle der Vereinigung. 

Ab dem 1. Lehrgang 1928 war Tüllmann Dozentin an der Deutschen Gesundheitsfürsorgeschule im Seminar Fürsorgedienst im Krankenhaus, veröffentlichte zahlreiche Artikel zur Krankenhausfürsorge und gehörte dem Beirat der „Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen“ an. 1930 publizierte sie Ergebnisse der Sozialen Hygiene und Gesundheitsfürsorge in einem von Alfred Grothjan herausgegeben Handbuch. Ab Oktober 1930 hatte sie wiederum gemeinsam mit Hedwig Landsberg die Leitung der Soziale Abteilung in einem Krankenhaus der Charité in Berlin. Im gleichen Jahr wurde sie Vorstandsmitglied des Berliner Frauenvereins gegen den Alkoholismus und 1932 wurde sie Beiratsmitglied der „Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen“, zuständig für Bereich „Fürsorgedienst im Krankenhaus“. 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem zwangsweisen Ausscheiden von Hedwig Landsberg führte sie ab 1933 die Geschäfte der Vereinigung alleine weiter. Da die Auflösung der Vereinigung drohte, bemühte sie sich um die Angliederung der DVFK an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV). Am 2. Mai 1935 unterstellte sich die DVFK schließlich dem Hauptamt für Volkswohlfahrt der NDSAP. Gleichzeitig arbeitete Tüllmann weiterhin als Krankenhausfürsorgerin in der Charité. 1937 trat sie in die NSDAP ein. Regelmäßig informierte sie über die reichsweite Umsetzung der Doktrin der nationalsozialistischen Volksgesundheitslehre und Rassenhygiene und die diesbezüglichen Aufgaben der Krankenhausfürsorge. Mit dem Verbot der NSV und damit der Vereinigung 1945 schied sie aus ihren Ämtern aus. 1956 wurde sie anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Vereinigung zum Ehrenmitglied ernannt. 1958 starb sie in Garmisch-Partenkirchen.