Dr. phil. Dr. med. h.c. Alice Salomon

Alice Salomon war eine liberale Sozialreformerin in der deutschen Frauenbewegung und anerkannte Wegbereiterin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft. Sie wurde am 19. April 1932 zum Ehrenmitglied der damaligen Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus ernannt.

Geboren: 19. April 1872 in Berlin
Gestorben: 30. August 1948 in New York

Alice Salomon stammte aus einem Berliner großbürgerlichen jüdischen Elternhaus. 1914 konvertierte sie zum Protestantismus. Von 1902 bis 1906 studierte sie Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, obwohl sie kein Abitur hatte. 1906 promovierte Alice Salomon zum Thema „Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit“.

Ab ihrem 21. Lebensjahr begann Alice Salomon sich in der sozialen Hilfsarbeit zu engagieren. So folgte sie im Jahr 1893 einem Aufruf zur Gründung der ‚Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit‘ in Berlin und übernahm später den Vorsitz der Gruppen. Zusätzlich zu diesem Engagement nahm sie führende Positionen im Bund Deutscher Frauenvereine ein. In diesen Jahren rief Salomon unzählige soziale Initiativen ins Leben, darunter Mädchenhorte und Arbeiterinnenheime. 1908 gründete sie die erste soziale Frauenschule in Deutschland und ebnete den Weg für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit durch eine zweijährige theoretische und praktische Berufsausbildung. 1917 wurde Salomon Vorsitzende der von ihr gegründeten Konferenz sozialer Frauenschulen Deutschlands, der 1919 bereits sechzehn Schulen angehörten. Im Jahr 1925 gründete Salomon mit Kolleginnen die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, die der Weiterbildung von Frauen für Führungspositionen in der Sozialen Arbeit diente und das erste Forschungsinstitut der Sozialen Arbeit in Deutschland bildete. 1929 rief Salomon die International Association of Schools of Social Work („Internationale Vereinigung der Schulen für Sozialarbeit“) ins Leben, der sie viele Jahre als Vorsitzende vorstand. Sie war damit eine der wichtigsten Pionierinnen in der Professionalisierung der Sozialen Arbeit und hatte auch ein hohes Ansehen in der Wohlfahrtspflege. 1919 wurde sie in den Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge berufen. 

1932 stand Alice Salomon auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Zu ihrem 60. Geburtstag erhielt sie vom Preußischen Staatsministerium die Silberne Staatsmedaille, die Berliner Universität verlieh ihr die Ehrendoktorwürde. An diesem Tag wurde sie auch zum Ehrenmitglied der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus ernannt. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde sie 1933 allen öffentlichen Ämtern verdrängt. Im Jahr 1937 wurde die inzwischen 65jährige, kurz nachdem sie von einer Vortragsreise aus den USA zurückgekehrt war, nach Verhören durch die Gestapo zur Emigration gezwungen. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, ihrer christlich-humanistischen Ideen, ihres Eintreten für eine pluralistische Berufsarbeit, ihres offenen Pazifismus und ihr internationales Auftreten wurde sie ins Exil gezwungen, das sie nach New York brachte. 1939 wurden ihr die deutsche Staatsangehörigkeit und die beiden Doktorgrade aberkannt. 1944 erwarb sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ein Jahr darauf wurde sie Ehrenpräsidentin des Internationalen Frauenbundes und der Internationalen Vereinigung der Schulen für Sozialarbeit.

Quellen:

Alice Salomon: Leben und Werk – eine Chronik – Alice Salomon Archiv der ASH Berlin

Toppe, Sabine (2024): Alice Salomon, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv Online Verfügbar unter: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/alice-salomon (05.09.2025)