Expertise 2009:
Die rechtliche Verankerung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen

Soziale Arbeit im Gesundheitswesen war und ist nur rudimentär und in der Regel wenig konkret in den rechtlichen Bestimmungen verankert. Obwohl einerseits der Bedarf an psychosozialer Unterstützung, Vernetzungstätigkeit und Fall- bzw. Patientensteuerung erkannt und in Gesetzen festgeschrieben wird (u. a. § 11 (4) SGB V, § 140 ad SGB V, § 37 b SGB V, SGB XI, Fallsteuerung i. R. SGB II, SGB XII, SGB IX), wird diese Tätigkeit nicht verbindlich den Fachkräften der Sozialen Arbeit zugeordnet.

Der Vorstand der DVSG beauftragte den Verwaltungs- und Rehabilitationswissenschaftler Dr. Harry Fuchs und den Experten für Sozial- und Verwaltungsrecht, Prof. Dr. Felix Welti mit der Erstellung einer Expertise zum Thema „Die rechtliche Verankerung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen“ mit folgenden Schwerpunkten:

  • Analyse bzgl. der rechtlichen Verankerung der Sozialarbeit im Gesundheitswesen
  • Bewertung der Veränderungen bedingt durch Gesundheitsreformen und die Reform der Pflegeversicherung auf die Sozialarbeit im Gesundheitswesen
  • Perspektive und Ansatzpunkte zur strukturellen Verankerung der Sozialarbeit im Gesundheitswesen
  •  Darstellung der Erfordernisse und Bewertung der Realisierbarkeit

Die Experten stellten fest, dass ein Konsens darüber besteht, dass – insbesondere in der Rehabilitation und Pflege – die sozialen Bezüge und Kontextfaktoren in der gesundheitlichen Versorgung und das Ziel der umfassenden sozialen Teilhabe, sowie die Wiederherstellung und der Ausgleich gestörter gesundheitlicher Funktionen beachtet werden müssen (ICF, SGB IX, SGB XI u. a.). Daraus ließe sich zwar für die Soziale Arbeit neben den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen eine eigenständige Bedeutung im Gesundheitswesen ableiten, berufspolitisch, gesundheitswissenschaftlich und rechtlich sei die Einordnung der Sozialen Arbeit aber wenig ausgeprägt. Möglichkeiten der stärkeren Verankerung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen sehen die Gutachter in den Optionen, die Anerkennung der Sozialen Arbeit als Heilberuf zu betreiben oder insgesamt ein Berufsgesetz der Sozialen Arbeit anzustreben. Weiterhin sollte Soziale Arbeit in den einzelnen Sozialgesetzen deutlicher rechtlich fundiert werden.

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