Forum 2

Ohne Diagnosen keine Gesundheits- und Sozialleistungen?

Neben medizinischen Diagnosen spielt für die Erschließung von Leistungen zunehmend auch die soziale Diagnostik eine große Rolle. Diese bezieht sich auf die soziale Situation einer Person und schließt ein systematisches Erfassen und Bewerten von Faktoren aus dem Lebenskontext ein.

Der Zugang zu Leistungen ist oftmals nur über eine bestimmte Diagnose, Funktions- oder Teilhabestörung möglich. So kann beispielsweise die Soziotherapie laut Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ausschließlich von einem eingegrenzten Personenkreis mit einem bestimmten Störungsbild in Anspruch genommen werden.

Für die Behandlung und Versorgung ist es wichtig, berufsgruppenübergreifend eine nachvollziehbare und bedarfsgerechte Zugangssteuerung zu Leistungen zu praktizieren. Dabei sind die beiden ergänzenden Klassifikationen, die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) sowie die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF), zwei bedeutsame Grundlagen. Das bio-psycho-soziale-Gesundheitsmodell und die ICF sind beispielsweise für die systematische Bedarfsermittlung von Rehabilitation und Teilhabe von hoher Relevanz.

In dem Forum wird ein Einblick in die Themen Soziale Diagnostik, die Klassifikationssysteme ICD und ICF sowie über den Zugang zu Sozial- und Gesundheitsleistungen vermittelt. Folgende Fragestellungen sollen in dem Forum diskutiert werden:

  • Werden Personen durch Diagnosen ‚pathologisiert‘, um Hilfeleistungen zu erhalten?
  • Was sind Kriterien der Sozialen Arbeit für eine Bewertung?
  • Was ist bei der Erschließung der Ressourcen der Auftrag der Sozialen Arbeit?
  • Was ist für die Soziale Arbeit eine Alternative zur Diagnostik und Klassifikation, um Leistungen zu erschließen? 

Mitwirkende:

    Moderation:

    • Prof. Dr. Dieter Röh, Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg