OPS-Kodierung in der Psychiatrie

Seit 01.01.2010 können im Rahmen der Einführung der Fallpauschalen-Finanzierung in der Psychiatrie auch Leistungen der Sozialen Arbeit im OPS-System kodiert werden.

Weitere Informationen

Ergänzungsanträge zum OPS-Katalog 2012

Die Krankenhausfinanzierung im somatischen Bereich erfolgt schon seit sechs Jahren durch Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups – DRG) Ab 2013 wird auch das DRG-System in der Psychiatrie verbindlich eingeführt. Aufgrund der wesentlichen Unterschiede zwischen der Behandlung von psychischen und somatischen Erkrankungen soll der neue Entgeltkatalog jedoch keine Fallpauschalen wie im DRG-System enthalten, sondern auf Tagespauschalen basieren. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat in dem zur Berechnung der Fallpauschalen notwendigen Dokumentationssystems der erbrachten Leistungen, dem sogenannten Operations- und Prozedurenschlüssel (OPS), auch Kodierziffern für psychiatrische, psychosomatische und psychotherapeutische Leistungen entwickelt. Seit 2010 sind alle psychiatrischen Einrichtungen sind verpflichtet, ihre Patienten basierend auf dem erweiterten OPS-Katalog und der Psychiatrie-Personalverordnung einzuordnen und die Versorgung zu dokumentieren. Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) analysiert die gewonnenen Daten und ermittelt daraus die Vergütungssystematik und passt den OPS-Katalog an.

Kodes für Sozialarbeit in der Psychiatrie

Im OPS-Katalog 2010 sind unter den Ziffern 9-60 bis 9-69 die Kodes zu finden, innerhalb derer die Sozialarbeit in der Psychiatrie abbildbar ist. Derzeit gibt es allerdings nur den Sammelbegriff "Spezialtherapeuten (Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten oder Logopäden). Die Sozialarbeitsleistungen können derzeit zwar in das Kodiersystem eingebracht werden, sind aber durch die eingeschränkte Möglichkeit nur unter dem Sammelbegriff „Spezialtherapeuten“ enthalten. Auf diese Weise ist dann nur noch zu erkennen, wie viele Therapieeinheiten „Spezialtherapeuten“ beim jeweiligen Patienten erbracht haben – der spezielle Anteil der Sozialen Arbeit daran ist aber nicht mehr erkennbar. Da Soziale Arbeit in der Psychiatrie einen nicht unerheblichen und bedeutenden Leistungsanteil hat, sind die tatsächlich erbrachten Leistungen nach dem derzeit vorgesehenen System nicht ausreichend differenziert und für eine adäquate Dokumentation der Leistungen bedarf es entsprechender Ergänzungen. Die DVSG hat daher gemeinsam mit dem DBSH bei dem für die Weiterentwicklung der OPS-Kodierung zuständigen Deutschen Instituts frür Medizinische Dokumentation und Information drei Änderungsanträge für den OPS-Katalog 2012 gestellt. Die Anträge der beiden Verbände beziehen sich auf die in Kapitel 9 gegebenen Hinweistexte.

Drei Ergänzungsanträge zu sozialarbeiterischen Interventionen

Zum einen sind sozialarbeiterische Interventionen als angewandte Verfahren der Spezialtherapeuten nicht aufgelistet. Es ist es nicht nachvollziehbar, dass Soziale Arbeit bei den angewandten Verfahren der Spezialtherapeuten nicht im Hinweistext erscheint, obwohl alle anderen Spezialtherapeuten (Ergotherapeuten, Kreativtherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden und die Pflege) genannt und beispielhafte Interventionen aufgelistet sind, um u.a. eine Differenzierung des multiprofessionellen Teams darzustellen und die Behandlungskomplexibilität abzubilden. Da die Berufsguppe der Sozialarbeiter Bestandteil des multiprofessionellen Teams ist, soll auch deren Kernleistung in der psychiatrischen Behandlung in ihrem Wesen benannt und abgebildet werden.

Weiterhin wurde ein Antrag auf Erweiterung der Merkmale für eine Intensivbehandlung um das Merkmal „Gefährdung durch Existenz bedrohende Lebensbedingungen“ sowie die Ergänzung, dass die psychiatrisch-psychosomatische Intensivbehandlung auch komplexe sozialarbeiterische Interventionen umfasst. Der Schwerpunkt in der Intensivbehandlung liegt bei den häufigen, nicht planbaren und zeitlich begrenzten Einzelkontakten. Als Folge einer psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung können bei den Patienten existenzbedrohende Lebensbedingungen eintreten, wie beispielsweise der Verlust der wirtschaftlichen Absicherung, Überschuldung oder mangelndes soziales Netzwerk. Ohne umgehende, zeitintensive Interventionen, komplexe Beratungen und eine Vielzahl von oft nicht planbaren Einzelkontakten mit dem Sozialdienst ist oftmals eine Behandlung erst gar nicht durchführbar oder sie kann ohne eine parallel zur medizinisch-psychiatrischen Behandlung laufenden intensiven sozialarbeiterischen Intervention nicht zu einer dauerhaften Stabilisierung des Patienten führen. Die aus den existenzbedrohenden Lebensumständen notwendigen Interventionen gehören in der Psychiatrie seit langem zum Arbeitsfeld der Sozialarbeit und können auch nur von dieser Berufsgruppe durchgeführt werden. Soziale Arbeit leistet gerade in der Psychiatrie durch die Neuordnung des poststationären Lebensumfeldes einen wichtigen und nicht zu ersetzenden Beitrag zur psychosozialen Gesundung des Patienten.

Der dritte Antrag bezieht sich auf eine Ergänzung der angewandten Verfahren der Spezialtherapeuten um Angehörigengespräche, Angehörigengruppen, Gespräche mit Betreuern, Gespräche mit Behördenvertretern (Institutionenvertretern) durch die Berufsgruppe der Sozialarbeiter. Ein Großteil der sozialarbeiterischen Tätigkeit in einer psychiatrischen Klinik besteht darin die aktuelle Absicherung der Lebensgrundlage und die stationäre Nachsorge für die Patienten zu organisieren. Dazu bedarf es einer Abstimmung aller Beteiligten, insbesondere mit dem Bertroffenen, den Angehörigen und mit Vertretern der externen Institutionen (Behörden, Kliniken, Arbeitgeber, stationäre Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe, Werkstätten für behinderte Menschen etc.). Die damit verbundenen umfangreichen Tätigkeiten finden häufig ohne Beteiligung der Patienten statt und sind dem Sozialdienst zugeschrieben.