Forum Forschung

Experten-Studie zum Antragsverhalten in der onkologischen Rehabilitation

In dem Forschungsprojekt „Antragsverhalten zur onkologischen Rehabilitation (AZORE-Studie)“ ist die DVSG als Mitantragstellerin an einem  beteiligt. Mit der Studie sollen mögliche Gründe für sinkende Antragszahlen auf medizinische Rehabilitation bei onkologischen Erkrankungen erforscht werden. In Deutschland ist über die letzten Jahre eine insgesamt ansteigende Inzidenz für Krebserkrankungen festzustellen. Dieser Trend wird voraussichtlich anhalten, was auf eine verbesserte Früherkennung sowie auf den steigenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung zurückzuführen ist. Entgegen dieser Entwicklung zeigen die Daten der DRV (Deutsche Rentenversicherung Bund) seit einigen Jahren eine Tendenz zu stagnierenden bis rückläufigen Antragszahlen zur onkologischen Rehabilitation. Diese Entwicklung zeigt sich insbesondere im Bereich der allgemeinen Heilverfahren. Bisher sind die Gründe für diese verminderte Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen nur wenig erforscht und bestehende Veröffentlichungen beschränken sich zumeist auf patientenseitige Untersuchungen. Es ist jedoch erforderlich, auch die Perspektive der in der onkologischen Versorgung und Beratung tätigen Expert*innen zu berücksichtigen, da diese die Antragstellung zur Rehabilitation über Informationsvermittlung, Beratung, Bedarfserhebung sowie weitere Maßnahmen steuern. Hier soll die AZORE-Studie ansetzen. AZORE- ist eine bundesweit angelegte und durch die DRV geförderte Studie mit einer Laufzeit von 24 Monaten (Projektbeginn Mai 2017). Die Zielgruppe sind Expert*innen, die in der Behandlung oder Beratung von onkologischen Patienten tätig sind. Hierunter zählen: Ärzte, Sozialarbeiter*innen, Medizinische Fachangestellte, Pflegepersonal, Psycholog*innen, Psychoonkolog*innen und Verwaltungsangestellte der DRV. Ziel der Studie ist die Erfassung der Sichtweise von Expert*innen bezüglich der Reha-Antragsstellung, um mögliche Ursachen für die rückläufigen Antragszahlen im Bereich der onkologischen Rehabilitation zu identifizieren. Dazu wird eine bundesweit angelegte, online-basierte Fragebogenerhebung durchgeführt. Im Zusammenspiel mit weiteren Studien, die den Fokus auf die Patientenperspektive legen, soll die Studie mögliche Ansatzpunkte aufzeigen, um ggf. bestehende Barrieren bei der Inanspruchnahme der onkologischen Rehabilitation abzubauen. Die Erhebung ist Mitte August 2018 gestartet und wird bis zu fünf Monate andauern. Der dabei eingesetzte Online-Fragebogen ist in circa 15 Minuten zu beantworten. An der Fragebogenerhebung teilnehmenkönnen alle Expert*innen, die in der Behandlung oder Beratung von onkologischen Patienten tätig sind. Um eine zielgenaue Akquise der Teilnehmer*innen zu gewährleisten, wurden Links zum Fragebogen von beteiligten Fachgesellschaften, wie der DVSG, an ihre Mitglieder weitergeleitet. Die Teilnahme erfolgt auf freiwilliger Basis und die Teilnehmer*innen werden bereits bei der Dateneingabe anonymisiert.  

Bei der Online-Befragung handelt es sich um eine freiwillige und anonymisierte Befragung. Alle Daten werden ausschließlich in anonymisierter Form erhoben, ausgewertet und veröffentlicht; Rückschlüsse auf Ihre Person sind weder gewollt noch technisch möglich. Sämtliche Daten werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken erhoben. Die DVSG bittet ihre Mitglieder und weitere Expert*innen, die den Link zum Fragebogen erhalten haben, den Fragebogen zu beantworten, um die Perspektive und die praktischen Erfahrungen der Sozialen Arbeit in diese Forschungsarbeit einbeziehen zu können.

Weitere Informationen zur Studie

Expertenstandard "Psychosoziale Erstberatung onkologischer Patient*innen durch Soziale Arbeit in der stationären Versorgung (PEOPSA)"

Der Expertenstandard "Psychosoziale Erstberatung onkologischer Patient*innen durch Soziale Arbeit in der stationären Versorgung (PEOPSA)" stützt sich auf die Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherche und Auswertung der internationalen und deutschsprachigen Literatur zur Sozialen Arbeit in der Onkologie.

Zertifizierte Organ- und onkologische Zentren sind verpflichtet die Rahmenbedingungen für die psychosoziale Erstberatung onkologischer Patient*innen und ihrer Angehörigen in der stationären Versorgung sicher zu stellen. Die Professionalisierung und Qualifizierung der Erstberatung hingegen liegt in den Händen der Fachkräfte der Sozialen Arbeit. In PEOPSA werden Gegenstand, Zielrichtung und Entstehungshintergrund des Expertenstandards sowie die Besonderheiten psychosozialer Erstberatung, ihre Kontexte, Aufgaben und Ziele näher bestimmt. Zur Konkretisierung des Vorgehens wird der Prozess der Erstberatung in Vorbereitung, Kontaktaufnahme, Assessment, Interventionen, ggf. Folgetermin, Dokumentation und Evaluation untergliedert  und Kriterien zur entsprechenden Umsetzung und Qualitätssicherung skizziert.

Der Expertenstandard wurde in einem von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG e.V.) geförderten Projekt der Arbeitsgemeinschaft Soziale Arbeit in der Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (ASO) und der DVSG unter Federführung des 1. Vorsitzenden der DVSG, Prof. Dr. Stephan Dettmers und in Abstimmung von Fachkräften der Sozialen Arbeit sowie einem interdisziplinären Expert*innengremium entwickelt.

PEOPSA

Forschungsprojekte "Soziale Arbeit im Gesundheitswesen" - Verzeichnis 2012

Soziale Arbeit war in ihren Anfängen - durch Vertreterinnen wie Alice Salomon oder Jane Addams - durch eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis gekennzeichnet. Es wurde selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Praxis in allen Feldern der Sozialen Arbeit unmittelbar an Forschung und wissenschaftliche Reflektion gebunden ist. In Deutschland entwickelte sich die Profession allerdings lange Zeit ohne Bezug auf diese Wurzeln. Erst seit wenigen Jahrzehnten ist wieder ein Interesse an Forschung in der Sozialen Arbeit insgesamt festzustellen und es findet eine zunehmende wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Sozialen Arbeit, insbesondere auch im Gesundheitswesen statt.

Allerdings stehen vorhandene Forschungsergebnisse aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern nicht systematisch für die Anwendung in der Praxis zur Verfügung. Daneben gibt es kaum wissenschaftliche gesicherte Erkenntnisse zur Wirkung sozialarbeiterischer und sozialpädagogischer Interventionen. Weiterhin ist die Bedeutung von sozialen Faktoren und sozialer Unterstützung im Gesundheitswesen bisher nicht ausreichend erforscht . In der Folge werden diese Aspekte in ihrer Wirkung auf den Behandlungsverlauf von Kostenträgern vernachlässigt. Auch in der Verbandsarbeit wird immer deutlicher, dass empirisch fundierte Ergebnisse benötigt werden, um die Bedeutung und Wirkung von Sozialer Arbeit im Gesundheitswesen deutlich zu machen. Soziale Arbeit im Gesundheitswesen nimmt unter anderem wesentliche Steuerungsfunktionen im Gesundheitswesen ein. Forschungsergebnisse könnten beispielsweise die Bedeutung der Sozialarbeit in der qualitativen Fallsteuerung gut belegen und Argumentationsgrundlagen schaffen und die konzeptionelle Weiterentwicklung der Leistungen und Interventionen der Sozialen Arbeit wissenschaftlich absichern. Aus empirischer Forschung lassen sich auch Forderungen ableiten und Vorgehensweisen begründen.

Die Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG) und die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) wollen als Fachverbände der Praxis und Wissenschaft der Sozialen Arbeit den Trend zu verstärkter Forschung in den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen fördern und unterstützen. Ein Anliegen hierbei ist der Fachöffentlichkeit einen systematischen Überblick über Projekte zu geben, die gesundheitsbezogene Soziale Arbeit in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses stellen, aber auch gesundheitsbezogene Projekte, die Soziale Arbeit als Teilbereich bearbeiten. Mit dem vorliegenden ersten Verzeichnis der Forschungsprojekte Soziale Arbeit im Gesundheitswesen wollen DVSG und DGSA der Fachöffentlichkeit einen Überblick über abgeschlossene, laufende oder in Planung befindliche Forschungsvorhaben schaffen und dazu beitragen Forschungsergebnisse bekannt und nutzbar zu machen. Beide Verbände sehen ihre Aufgabe auch darin die Transparenz in diesem Bereich zu fördern und Kooperationen unter Forscherinnen und Forschern sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern anzuregen

Forschungsprojekte "Soziale Arbeit im Gesundheitswesen" - Verzeichnis 2012

 

Das Forschungsverzeichnis wird regelmäßig aktualisiert. Bitte senden Sie den vollständig ausgefüllten Fragebogen per E-Mail mit der Betreffzeile „Forschungsverzeichnis“ an ingo.mueller-baron@dvsg.org. Vielen Dank!

Meldebogen Forschungs- und Modellprojekte

Ansprechpartner der DVSG:

Ingo Müller-Baron
E-Mail: ingo.mueller-baron@dvsg.org
Tel.: 0 67 71 / 59 91 24 oder 01 78 / 80 12 148

Stellungnahme zur Förderung der Sozialarbeitsforschung

Der Gesundheitsforschungsrat beim Bundesministerium für Bildung und Forschung hat eine Arbeitsgruppe „Gesundheitsfachberufe“ zur Erarbeitung von Konzepten zur Förderung qualitativer Forschung und entsprechenden Strukturen eingesetzt. Die DVSG hat gemeinsam mit dem Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit in einer gemeinsamen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass die Beschränkung auf die „Gesundheitsfachberufe im engeren Sinne“ zur Bewältigung der zukünftigen Versorgungsherausforderungen nicht ausreichend, da diese nur durch eine breite interdisziplinäre Zusammenarbeit bewältigt werden können. Aus Sicht der drei Verbände müssen in die Überlegungen der Arbeitsgruppe „Gesundheitsfachberufe alle diejenigen Berufsgruppen im Gesundheitswesen, die einen Nachholbedarf in der Forschungsförderung aufweisen.

Stellungnahme an den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe "Gesundheitsfachberufe" des Gesundheitsforschungsrates