Fachgruppe Gesundheitsförderung
Während Gesundheitsförderung seit jeher sozialwissenschaftlichen Denkweisen entspringt und Gegenstand sozialarbeiterischer Bemühungen ist, zählen Kuration und Prävention, also die Krankheitsvermeidung, traditionell zur biomedizinischen Denkweise, die eine dichotome Betrachtung (entweder – oder) von Gesundheit und Krankheit verfolgt. Im Gegensatz hierzu geht das von dem Medizinsoziologen Aron Antonovsky entwickelte Konzept der Salutogenese von einem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aus, auf dem sich der einzelne Mensch bewegt und zu dessen einem oder anderen Pol er je nach Veranlagung, Fähigkeiten, äußeren Umständen und zur Verfügung stehenden Ressourcen mehr oder weniger tendiert.
Auch Prävention arbeitet daher primär krankheits- und defizitorientiert (Ziel ist die Krankheitsvermeidung). Gesundheitsförderung hingegen orientiert sich am positiven Pol der Gesundheit und begibt sich auf die Suche nach Ressourcen. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, sich dem positiven Pol der Gesundheit höchstmöglich anzunähern. Gleichzeitig impliziert diese Vorgehensweise die Tatsache, dass es sich hierbei um einen relativen, weil subjektiven, Prozess handelt und dass dieser in Abhängigkeit zur Ausgangssituation zu jeder Zeit einsetzen kann. (Die Ausgangssituation bezieht sich dabei auf den jeweilig aktuellen Gesundheitszustand eines Subjektes.)
Während die biomedizinische Tradition oftmals noch das hierarchisch orientierte Verhältnis der Über-/Unterordnung aufrecht erhält (Compliance), war und ist soziale Arbeit schon immer bestrebt, ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihren Klienten zu schaffen, deren Erfahrungswissen anzuerkennen und ihnen durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ langfristig eine autonome, selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen.
Gesundheitsförderung unterstützt die Entwicklung von Persönlichkeit und sozialen Fähigkeiten durch Information, gesundheitsbezogene Bildung sowie die Verbesserung sozialer Kompetenzen und lebenspraktischer Fertigkeiten. Sie will dadurch den Menschen helfen, mehr Einfluss auf ihre eigene Gesundheit und ihre Lebenswelten auszuüben, und will ihnen zugleich ermöglichen, Veränderungen in ihrem Lebensalltag zu treffen, die ihrer Gesundheit zugute kommen. Es gilt dabei, Menschen zu lebenslangem Lernen zu befähigen und ihnen zu helfen, mit den verschiedenen Phasen ihres Lebens sowie eventuellen chronischen Erkrankungen und Behinderungen umgehen zu können.“
Der Nutzen Sozialer Arbeit im Bereich der Gesundheitsförderung muss sowohl externen Professionen und Kostenträgern gegenüber, als auch gegenüber den Adressaten dieser Leistungen noch stärker transparent gemacht werden. In diesem Sinne wird die DVSG sich verstärkt in die aktuellen Diskussionen zur Gesundheitsförderung einbringen.

